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Am 25. Februar präsentierten Frau Kipf und Frau Hauenstein einen Referenten-Kita-Workshop zum Thema „Kindern mit besonderen Bedürfnissen im Kita-Alltag gerecht werden“. An diesem Tag waren ca. 170 Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen anwesend. Das Handout für pädagogische Fachkräfte fasst die Kernthemen kompakt zusammen.

Die Grundhaltung bildet die Basis inklusiver Arbeit: Jedes Kind hat individuelle Bedürfnisse, Verhalten ist Kommunikation, Kinder wollen kooperieren – wenn sie es können – und der Fokus liegt auf Ressourcen statt Defiziten. Die zentrale Leitfrage lautet: Was braucht dieses Kind – gerade jetzt – in dieser Situation?

Besondere Bedürfnisse können sich in mehreren Bereichen zeigen: Sprache und Kommunikation, Motorik und Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Selbstregulation, Emotionen und Verhalten, soziales Verhalten sowie familiäre Belastungen. Wichtig ist, dass Kita-Fachkräfte keine Diagnosen stellen, sondern Entwicklungsbedarfe beobachten.

Unterstützungsbedarf lässt sich im Alltag durch Hinweise wie häufige Wutausbrüche oder Rückzug, starke Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten, Schwierigkeiten bei Übergängen (z. B. Aufräumen, Morgenkreis), wenig Sprache bzw. Missverständnisse, Konflikte mit anderen Kindern oder auffällige Ängste oder Überforderung erkennen. Es ist essenziell, im Team zu reflektieren und nicht allein zu bewerten.

Im Kita-Alltag gibt es konkrete Unterstützungsangebote: Strukturen und Orientierung mit klarer Tagesstruktur, Ritualen und Wiederholungen sowie visuellen Tagesplänen (Bildern, Symbolen) und das rechtzeitige Ankünden von Übergängen („In 5 Minuten…“). Zur Reizregulation zählen Rückzugsorte, Geräuschreduzierung, kleinere Gruppen sowie Bewegungs- und Entspannungsangebote. In der Kommunikation sollten kurze, einfache Sätze verwendet werden, Blickkontakt auf Augenhöhe gehalten und visuelle Hilfen (Gefühlskarten, Symbole) genutzt werden; Gefühle sollten benannt werden („Du bist wütend, weil…“). Beziehungs- und Bindungsarbeit umfasst verlässliche Bezugspersonen, Zeit für Einzelkontakte, die Wahrnehmung von Erfolgen und emotionale Sicherheit.

Der Umgang mit herausforderndem Verhalten verlangt Ruhe und Klarheit: Grenzen erklären statt zu bestrafen, Alternativen anbieten und Verhalten von der Person trennen – zum Beispiel: „Dieses Verhalten zeigt mir, dass du Unterstützung brauchst.“ Eine Formulierung wie „Du bist schwierig“ wird vermieden.

Die Zusammenarbeit mit Eltern basiert auf Wertschätzung und offener Haltung. Beobachtungen werden beschrieben, ohne Bewertungen abzugeben, und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Ziel ist eine Partnerschaft, kein Schuldgefühlen.

Unterstützungssysteme bieten sowohl interne als auch externe Hilfen: Intern gibt es Teamgespräche, Fallbesprechungen, die Einbeziehung der Leitung, Integrations- oder Zusatzkräfte sowie Supervision oder Beratung. Extern empfiehlt sich regional je nach Bedarf der Kontakt zu Frühförderstellen, mobile sonderpädagogische Hilfe (MSH),  sozialpädiatrischen Zentren (SPZ), Logopädie oder Ergotherapie, Kinderärztinnen und -ärzten, Erziehungs- und Familienberatungsstellen sowie dem Jugendamt (Hilfen zur Erziehung). Hilfen anzunehmen bedeutet, Verantwortung zu teilen – nicht zu versagen.

Für die Reflexion im Alltag gelten Fragen wie: Was gelingt diesem Kind gut? Welche Situationen sind besonders herausfordernd? Was kann ich im Rahmen meiner Möglichkeiten verändern? Wen kann ich um Unterstützung bitten?

Abschließend bleibt festzuhalten: Inklusion beginnt nicht bei der Diagnose, sondern bei der Haltung. Bereits kleine Veränderungen im Alltag können für Kinder einen großen Unterschied machen.

 

Text: Nina Hauenstein, Leitung Frühförderung HbK , Mainstraße 3, 95444 Bayreuth